Cristina’s Bonneville-Blog 31.8.2011

Mittwoch, 31. August 2011

Neuer Tag – und wieder neue Hoffnung. Wie schon fast täglich, fuhren wir auch heute wieder um 06.15 Uhr ab. Und so war Markus als einer der ersten in der Startlinie. Das Wetter am frühen morgen liess auf gute Salz- und Windverhältnisse hoffen.

O-Ton Markus

Die Verhältnisse waren absolut optimal. Der Rennsteward stand neben mir und gab mir ein Zeichen “noch drei Minuten” – “noch zwei Minuten “ – “noch eine Minute” – nun liessen wir das Bike laufen und befestigten den Killswitch an meinem Handgelenk. Mein Adrenalin fing an zu steigen und ich war voll auf meinen Start fokussiert und bereit für den Run, bis mir der Rennsteward das Zeichen zum Abbruch gab. Was war passiert?

Der vor mir startende Fahrer ist in der measured mile mit rund 140 mph / 225 km/h gestürzt. Bis die Rennstrecke endlich wieder frei gegeben wurde, wartete ich rund eine Stunde am Start, da diese akkribisch von allfällig verlorenen Teilen durchsucht und befreit werden musste. Dem Fahrer ist zum Glück nicht viel passiert – er kam mit einem gebrochenen Handgelenk und einer gebrochenen Rippe davon. Und endlich konnte es für mich losgehen. Ich beschleunigte mein Rennbike und realisierte sofort, dass der Motor bei einer gewissen Tourenzahl ins stottern kam, worauf ich den Lauf bei 212 km/h abbrach.

Bernd fand den Fehler sehr schnell. Die Batterie und der Regler waren defekt. Die Teile wurden ersetzt und ich testete kurz die Maschine au der Nebenstrecke. Die Leistung war da und der Motor lief einwandfrei. Wir gingen zum Pre Stage, trugen uns ein für einen Startplatz und nach gut einer Stunde fuhren wir zur Meile 0, um uns auf den Start vorzubereiten. Ich war der Dritte in der Startsequenz. Nach rund 20 Minuten wurden alle Starts gecancelled infolge extremen Windverhältnissen. Im Laufe des Nachmittags namen die Böen zu, worauf die Rennleitung um ca. 14.30 Uhr beschloss, für heute alles zu beenden.

Der Vorteil ist, dass wir morgen um 07.00 Uhr direkt zur Meile 0 fahren können, da die Startreihenfolge vom Vortag Gültigkeit hat. Da wir jetzt nur noch einen Schuss zur Verfügung haben, werden wir das Bike mit den angepassten Fussrastern gemäss FIM Regeln umbauen. Somit wäre ein allfälliger Weltrekord gültig. Ansonsten würde ich nur einen amerikanischen Rekord erzielen.

Und so setzen wir alles auf eine Karte, denn morgen ist bereits der letzte Renntag. Während ich nun den Blog hier beende heisst es für unser Team erneut zu arbeiten.

Cristina Saegesser

Cristina’s Bonneville-Blog 30.8.2011

Dienstag, 30. August 2011

Neuer Tag – neue Hoffnung. Um 06.15 Uhr ging das Team geschlossen zu den Salt Flats. Bereits um 07.00 Uhr waren wir in der Pre Staging Reihe für den neuen Lauf. Alle waren gespannt wie das Bike heute wohl fahren wird. Um 10.22 Uhr war es soweit. Markus ging an den Start und fuhr los. Aus Sicht der Zuschauer sah es gut aus, auch der Ton des Motors liess auf eine schnelle Zeit hoffen. Doch es kam erneut anders…

O-Ton Markus

Der Schaltblitz war auf 5200 Touren eingestellt. Entsprechend fuhr ich los und hatte ziemlich guten Grip. Einzig im 2. Gang gab es kleine Ausbrecher am Hinterrad. Nach rund 1,5 Meilen war ich bereits im 5. Gang und bei 5200 Touren. Das Bike hatte klar weniger Knall als beim 1. Lauf am Montag. Innerhalb der measured mile passierte im letzten Drittel das gleiche wie beim 1. Lauf – Abfall der Motorenleistung und dadurch auch ein Schleudern am Hinterrad. Trotz allem erreichte ich wiederum 155 mph (251 km/h) average speed. Die anschliessende Analyse zeigte auf, dass diesmal der vordere Rennkolben klemmte.

Das Mechanikerteam arbeitet im Moment fieberhaft am Einbau unseres letzten Rennkolbens. Wir glauben, das bei der momentan herrschenden Hitze auf den Salt Flats (ca. 45 Grad) und der Meereshöhe von 1200 m, die Leistungsgrenze eines luftgekühlten V2 Motors erreicht ist wenn er zwei Minuten und mehr auf Topspeed läuft und nur eine oder zwei Komponenten nicht stimmen! Wie es der Zufall will, ist einer von den Top Motorencracks der USA in unserem Hotel. Heute Abend kam Ron Dickey von Bonneville zurück und sah unsere Mechaniker am Bike arbeiten. Er schaute sich die beiden kaputten Rennkolben an und konnte daraus wie in einem Buch lesen – wow!!! Wir haben klar ein Überhitzungsproblem sagt Ron und es müssen spezielle Zündkerzen eingesetzt werden, welche er uns gibt. Die jetzigen gaukelten uns falsche Temperaturen vor und verfälschten so das Bild. Ebenso werden wir den Luftfilter vollständigen entfernen, damit der Motor nicht wieder abmagert. Sollte dies alles klappen, wäre a) unser Motorenproblem gelöst und b) würden wir über viel mehr Leistung verfügen.

Um der grossen Hitze auszuweichen, wird Markus morgen bereits im Renndress vom Hotel zur Rennstrecke gebracht, damit wir bei den ersten Startplätzen um 07.00 Uhr sind. Dadurch hoffen wir, vor 08.00 Uhr starten zu können. Sollte Markus eine Rekordfahrt hinkriegen (178 mph / 286 km), kann er seinen retourn run sofort antreten. Theorie und Praxis liegen doch oft weit auseinander. Nach wie vor ist das gesamte Team motiviert – sehen wir was morgen passiert.

Cristina Saegesser

Cristina’s Bonneville-Blog 29.8.2011

Montag, 29. August 2011

Mehrstündige Reparatur. Da wir tausende von Meilen von zu Hause weg sind, ist Improvisation gefragt. Unsere zwei Cracks bastelten aus der U-Haul Rampe und zwei Stühlen eine Werkbank, welche direkt vor dem Hoteleingang war. Zusätzlich kaufte Uschi noch ein zusätzliches Zelt, um mehr Schatten zu erzeugen. Waren es doch heute 60,9 Celsius Grad Asphalt Temperatur!!!!! Das Bike wurde befestigt, das Werkzeug ausgelegt und dann ging es los. Nach 24 Stunden intensivster Arbeit ist das Bike wieder rennbereit.

Um 16.30 fuhren wir dann wiederum Richtung Bonneville, um einen ersten, richtigen Run zu absolvieren (hoffentlich ohne Motorenknaller). Doch es kam anders….

Wir wurden von der Rennleitung aufgefordert, uns bei der technischen Abnahme mit dem Bike zu melden. Dort erfuhren wir vom FIM Renninspektor Curtis und Technical Steward Drew, dass ein Rennteam beim Hauptsitz des Weltverbandes FIM (Fédération International Motocyclistique) in Genf, Protest gegen unser Rennbike eingelegt hat, weil die Fussraster sich hinter statt vor der Hinterradachse befinden. Aus gut informierter Quelle wissen wir, wer hinter dieser Aktion steckt. Aufgrund dessen wurde die FIM gezwungen, aktiv zu werden (obwohl die FIM das Rennbike abgenommen hat). Für uns heisst dies, dass wir ohne entsprechende Veränderungen am Bike, für amerikanische Rekorde antreten können, jedoch nicht für Weltrekorde, da diese nicht anerkannt würden. Morgen werden wir nun ohne Veränderung ein bis zwei Testläufe absolvieren, um die neuen Motorenteile einzufahren. Anschliessend geben wir Vollgas, um zu zeigen, zu was dieses Bike fähig ist.

Ein technischer Umbau der Fussraster ist problemlos möglich, nur stimmt dann die Sitzposition von Markus in keiner Art und Weise mehr. Vor allem die Schaltvorgänge sind gefährlich, da die Dimensionen nicht mehr stimmen. Eine Entscheidung darüber ist noch offen. Es ist traurig, dass ein Protest eingelegt wird von einem Team, dass nicht mal in unserer Klasse fährt. Diese Geschichte machte schnell die Runde im Paddock und stiess bei allen Teams und Fahrer auf grosses Unverständnis. Dies motiviert uns erst recht! Turn it on – faster than hell!!!

Die super Lichtverhältnisse um 18 Uhr nützte unser Teamfotograf Horst Rösler für ein tolles Fotoshooting aus und zugleich konnte Markus sein Rennbike einige Meilen bewegen.

Weitere Meldungen folgen morgen..

Cristina Saegesser

 

 

Cristina’s Bonneville-Blog 28.8.2011

Sonntag, 28. August 2011

Die erste Fahrt. Heute um 07.30 Uhr konnte das naked bullet Bike definitiv zugelassen werden, nachdem die technische Inspektion die gestern durchgeführten  Anpassungen gut geheissen hat. Fast gleichzeitig fand das “Riders Meeting” statt. Die Informationen vom Veranstalter sind wichtig, wie der Ablauf des Rennens ist. Gleichzeitig gilt es, den Unterschied für die amerikanische und die internationale Strecke sowie die Messung für die angestrebten Weltrekorde zu beachten. Mittlerweile bastelteten Bernd und ich aus dem Kissenbezug, welche man im Flieger benutzt, und dicken Decken(!) (ja man weiss sich zu helfen) eine Stütze für den Brustbereich. So kann Markus liegend auf dem Bike seine Arme entspannen und hängt nicht in der Luft. Sonst kostet dies nicht nur Kraft sondern es kommt auch noch die Unsicherheit quasi hänged zu fahren. Mit einigen Tapes wurde diese fixiert und Markus konnte erstmals damit Probe liegen. Soweit in der Theorie tipp topp. Mit dem U-Haul wurde das Bike mit dem Fahrer zum Tank-Lastwagen gefahren. Dies ist der einzige Wagen, wo alle Bikes in bestimmten Klassen und mit speziellem Benzin ausgerüstet tanken dürfen. Anschliessend wird der Tandeckel versiegelt. Und dann konnte es nach mehrstündigem Warten endlich auf dem Runcours losgehen.

Der erste Run sollte folgende Erkentnisse bringen:

  1. optimale Sitzposition durch die neue Stütze.
  2. gemessene Endgeschwindigkeit bei 4500 Touren (dies gibt uns wichtige Informationen bezüglich Übersetzung, Bedüsung, etc.

Der auf dem naked bullet befestigte Schaltblitz hat noch folgende Zusatzfunktionen; entweder Anzeige der Km oder der Tourenzahl. Beim Start switchte der Display leider auf die Km- anstelle der Tourenanzeige.

O-Ton Markus

Ich realisierte, dass die Sitzposition optimal ist, der Grip da war und das Bike super am Gas hing. Und da ich nicht wusste, was ich für eine Tourenzahl habe, beschloss ich, Vollgas zu geben. Trotz zweimaligem Verschalten, hatte ich zu Beginn der measured mile 288 km/h auf dem Display, nach ca. 2/3 Drittel der Messzone hatte ich einen dramatischen Leistungsabfall auf ca. 220 km/h. Trotzdem realisierte ich einen Durchschnitt von rund 250 km/h. Die anschliessende Analyse des Motors ergab einen Kolbenklemmer. Ich weiss nun, dass das Bike optimal eingestellt ist und auch über die entsprechende Leistung verfügen sollte, um den bestehenden Weltrekord von 286 km/h zu übertreffen. Zum Glück haben wir zwei zusätzliche Rennkolben dabei, und sind zuversichtlich dass wir morgen nachmittag wieder startklar sind.

Und so hiess es für heute das Fahrerlager zu verlassen. Also fuhren wir am Nachmittag zurück ins Hotel. Während ich nun diesen Blog schreibe, arbeitet das technische Team mit Hochdruck am Bike, um den Motor wieder flott zu kriegen. Sind wir mal gespannt auf den morgigen Tag.

Cristina Saegesser

Cristina’s Bonneville-Blog 27.8.2011

Samstag, 27. August 2011

Der Tag der Entscheidung. Heute steht die technische Abnahme auf dem Programm. Doch bevor es dazu kommt, mussten wir ja noch den U-haul (Kleinlaster für das Rennbike) abholen. Und siehe da, um 9 Uhr standen wir bereit und es klappte doch noch. Im Konvoi fuhren wir zur Lagerhalle und waren gespannt, in welchem Zustand die Kiste angeliefert wurde. Entwarnung Leute, alles ist heil angekommen und so fuhren wir um 12 Uhr endlich nach Bonneville zu den Salt Flats. Eines kann ich schon mal sagen, sollte jemand sich in der Schweiz über 33 Grad beklagen- wir ahtten 45 Grad im Schatten. Nachdem wir unsere Fahrzeuge platziert hatten, ging es zu wie im Bienenhaus. Jeder packte an und im Nu war das gesamte Material ausgepackt. Gemeinsam mit Markus wartete ich dann in der Reihe beim Pre-Entry Ort um die Formulare für die technische Abnahme zu erledigen und die Anmeldung zu bestätigen. Nach gut einer Stunde war auch dies erledigt und nun mussten wir nur noch die letzte Hürde nehmen, die technische Abnahme. Weitere zwei Stunden in der prallen Sonne, uff! Drew, Cheftechniker FIM, inspizierte das Bike äusserst genau. Er fand doch prmpt drei kleine Details, die bis morgen noch erledigt werden müssen, damit das Bike für das Rennen zugelassen wird. Danach musste sich Markus in windeseile in das Rennkombi stürzen damit Fotograf Horst Rösler noch ein paar Fotos im idealen Licht schiessen konnte. Und dann ging es los mit der ersten Fahrt – what a feeling! Noch einige Male einfahren mit Power ohne Ende! Übrigens bequem ist die naked bullet nicht. Gar nicht… Doch die Salt Flats haben noch nie jemandem was geschenkt.

Dann kam ein Sturm auf. Dies hatte zur Folge, dass es uns das Zelt unseres Nachbarn um die Ohren bzw. um den Camper gehauen hat, Beulen inklusive.  das Bike wurde bis am Abend dennoch fertig. Ein dickes Dankeschön. Um  18.30 Uhr führen wir allle zurück ins Hotel, gebrannt von der Sonne und getrocknet vom Salz. Morgen stehen die ersten Trainings auf dem Programm. Markus ist heiss drauf.

Cristina Saegesser